Kolik beim Pferd: Schnelle Reaktion zählt
Eine Kolik ist beim Pferd immer ein medizinischer Notfall. Je früher eine Tierärztin oder ein Tierarzt verständigt wird, desto größer ist die Chance, schwere Komplikationen zu vermeiden.
Da Pferde Schmerzen teilweise lange verbergen und selbst schwere Koliken mit vergleichsweise geringen Symptomen einhergehen können, sollten ungewohnte Verhaltensweisen ernst genommen werden.
Was ist eine Kolik beim Pferd?
Der Begriff Kolik beschreibt zunächst Schmerzen im Bauchbereich des Pferdes. Er sagt noch nichts darüber aus, welches Organ betroffen ist oder welche Ursache den Beschwerden zugrunde liegt.
Der Magen-Darm-Trakt des Pferdes ist sehr lang, komplex und empfindlich gegenüber unterschiedlichen Einflüssen. Die möglichen Auslöser einer Kolik sind daher vielfältig.
Unabhängig von der Ursache birgt jede Kolik ein ernst zu nehmendes Risiko. Im schlimmsten Fall kann sie tödlich verlaufen. Bei verdächtigen Symptomen ist deshalb umgehendes Handeln erforderlich.
Wie verhalten Sie sich bei einer Kolik richtig?
Zeigt Ihr Pferd mögliche Anzeichen einer Kolik, sind Sorge und Unsicherheit verständlich. Dennoch ist es wichtig, möglichst ruhig zu bleiben, damit Sie Ihr Pferd nicht zusätzlich beunruhigen.
Verständigen Sie so schnell wie möglich eine Tierärztin oder einen Tierarzt. Es kann außerdem hilfreich sein, eine weitere Person hinzuzuziehen, die Sie im Umgang mit dem Pferd und bei notwendigen Vorbereitungen unterstützt.
Achten Sie dabei immer auf Ihre eigene Sicherheit. Eine Kolik kann mit so starken Schmerzen verbunden sein, dass auch ein normalerweise ruhiges Pferd unkontrolliert reagiert.
Das Pferd sollte deshalb ausreichend freien Raum haben. Gegenstände und Begrenzungen, an denen es sich verletzen könnte, sollten möglichst vermieden werden. Auch die helfenden Personen benötigen ausreichend Platz, um bei plötzlichen Bewegungen ausweichen zu können.
Was können Sie bis zum Eintreffen des Tierarztes tun?
Nachdem Sie tierärztliche Hilfe verständigt haben, können Sie einige vorbereitende Maßnahmen ergreifen.
Futter entfernen
Nehmen Sie Ihrem Pferd das Futter weg. Wasser sollte nur nach Rücksprache mit der Tierärztin oder dem Tierarzt angeboten werden.
Bewegung nur ohne zusätzlichen Stress
Leichte Bewegung kann krampflösend wirken. Sie können Ihr Pferd führen oder in ruhigem Tempo an der Longe bewegen.
Erzwingen Sie die Bewegung jedoch nicht. Wenn das Pferd dadurch zusätzlichen Stress oder erkennbar mehr Unwohlsein empfindet, sollte es nicht weiter bewegt werden.
Hinlegen und Wälzen unter Aufsicht
Möchte sich das Pferd hinlegen oder wälzen, können Sie dies unter Ihrer Aufsicht zulassen.
Bringen Sie das Pferd dafür an einen Ort mit ausreichend Platz und einem weichen Untergrund, beispielsweise in eine Reithalle oder auf einen geeigneten Paddock. Es sollte sich dort weder zusätzlich verletzen noch festlegen können.
Transport frühzeitig vorbereiten
Falls ein Transport in eine Pferdepraxis /-klinik erforderlich wird, sollte rechtzeitig ein geeignetes Zugfahrzeug mit Pferdeanhänger organisiert werden.
Idealerweise klären Sie bereits im Vorfeld, welche Transportmöglichkeit Ihnen im Notfall zur Verfügung steht. Auch ein regionales Pferdetransportunternehmen kann für einen geplanten oder kurzfristig notwendigen Transport infrage kommen.
Warum sollten Sie sich frühzeitig mit einer möglichen Operation beschäftigen?
Bei einem schweren Kolikverlauf kann eine Operation notwendig werden. Die Entscheidung dafür muss im Ernstfall häufig schnell getroffen werden.
Es ist daher sinnvoll, sich bereits im Alltag mit dieser Möglichkeit auseinanderzusetzen. Da eine Kolikoperation mit hohen Kosten verbunden sein kann, kann auch der Abschluss einer OP-Versicherung für das Pferd in Betracht gezogen werden.
Wie hoch ist das Risiko einer Kolik?
Jede Kolik kann für das betroffene Pferd gefährlich werden. Entscheidend ist, die möglichen Anzeichen frühzeitig zu erkennen und unverzüglich tierärztliche Hilfe anzufordern.
Die Stärke der sichtbaren Symptome lässt keine sichere Aussage über die Schwere der Kolik zu. Manche Pferde zeigen trotz eines schweren Verlaufs nur geringe Beschwerden.
Als Pferdehalter ist deshalb eine gute Beobachtungsgabe besonders wichtig.
Was kann eine Kolik auslösen?
Eine Kolik kann viele unterschiedliche Ursachen haben. Mögliche Auslöser sind:
- Stress,
- Wetterveränderungen,
- zu viel oder ungeeignetes Futter,
- eine unzureichende Flüssigkeitsaufnahme,
- akute Magen-Darm-Erkrankungen,
- Verlagerungen oder Verdrehungen des Darms,
- Verstopfungen,
- Darmverschlüsse,
- Stoffwechselstörungen,
- Infektionen.
Einige Pferde reagieren empfindlicher auf äußere Einflüsse und sind dadurch häufiger von Koliken betroffen als andere.
Welche Rolle spielen Futter, Stress und Wetter?
Viele Koliken stehen im Zusammenhang mit der Fütterung, Stress oder Wetterumschwüngen. Sie können als Krampf- oder Gaskolik auftreten.
Bei einer schnellen Reaktion des Pferdebesitzers können solche Koliken häufig medikamentös behandelt und rasch gelöst werden.
Insbesondere zu Beginn der Weidesaison treten Koliken vermehrt auf. Ein möglicher Grund ist die zu schnelle Umstellung auf größere Mengen frischen Grases.
Fütterungsfehler können außerdem Verstopfungen oder Gaskoliken verursachen. Bei einer Gaskolik entsteht durch das aufgenommene Futter übermäßig viel Gas. Das Pferd wirkt dadurch aufgegast und zeigt häufig einen deutlich vergrößerten Bauchumfang.
Welche Koliken können besonders schwer verlaufen?
Anatomische Ursachen führen häufig zu schwereren Kolikverläufen, die stationär oder operativ behandelt werden müssen.
Dazu gehören beispielsweise:
- Abschnürungen des Darms durch Lipome,
- das Einklemmen einzelner Darmabschnitte,
- Verlagerungen des Darms,
- Verschlingungen des Darms.
Diese Veränderungen können mit heftigen Koliksymptomen verbunden sein und erfordern eine umgehende Behandlung.
Unbehandelt können Teile des Darms absterben. Dies kann zum Tod des Pferdes führen. In solchen Fällen ist eine schnellstmögliche Operation notwendig.
Welche Symptome können auf eine Kolik hindeuten?
Pferde sind als Fluchttiere in der Lage, Schmerzen lange zu verbergen. Für Pferdehalter ist es deshalb nicht immer einfach, eine Kolik frühzeitig zu erkennen.
Auch geringe Symptome können mit einem schweren Verlauf verbunden sein. Bei fraglichem oder für Ihr Pferd ungewöhnlichem Verhalten sollte deshalb immer eine Tierärztin oder ein Tierarzt verständigt werden.
Mögliche Koliksymptome sind:
- Fressunlust oder Appetitverlust,
- Scharren,
- fehlender oder verminderter Kot- beziehungsweise Urinabsatz,
- Treten unter den Bauch,
- häufiges Umschauen zum Bauch,
- Flehmen,
- Wälzen,
- allgemeine Unruhe,
- starkes Schwitzen,
- beschleunigte Atmung,
- unruhiges Auf- und Niedergehen.
Wie wird eine Kolik untersucht und behandelt?
Nach dem Eintreffen beginnt die Tierärztin oder der Tierarzt mit der Untersuchung und Behandlung des Pferdes.
In einem ersten Schritt können krampflösende und schmerzlindernde Medikamente verabreicht werden. Bei einer leichten Kolik ohne weitere Komplikationen kann dies bereits ausreichen, um die Beschwerden zu lindern und die normale Darmaktivität wiederherzustellen.
Zusätzlich wird häufig eine rektale Untersuchung durchgeführt. Damit können mögliche Verlagerungen oder Verstopfungen erkannt werden.
Auch das Einführen einer Nasenschlundsonde kann der weiteren Diagnostik dienen. Auf diese Weise lassen sich der Mageninhalt und damit verbundene Probleme beurteilen.
Zeigen die Medikamente nicht die gewünschte Wirkung oder ergeben sich bei den weiterführenden Untersuchungen Hinweise auf Komplikationen wie einen Darmverschluss, sollte das Pferd in eine Pferdepraxis /-klinik transportiert werden.
Wann ist eine stationäre oder operative Behandlung notwendig?
In der Praxis / Klinik wird zunächst versucht, die Kolik konservativ, also ohne Operation, zu behandeln.
Viele Koliken können sich unter intensivmedizinischer Betreuung und mithilfe von Infusionstherapien lösen.
Ist eine konservative Behandlung nicht ausreichend, kann ein operativer Eingriff erforderlich werden. In diesem Fall muss schnell gehandelt werden.
Wie sind die Überlebenschancen nach einer Kolik?
Eine leichte Kolik kann häufig medikamentös behandelt werden.
Bei schweren Verläufen kann hingegen Lebensgefahr bestehen, insbesondere wenn das Pferd bereits stark geschwächt und die Aktivität sowie Vitalität des Darms deutlich beeinträchtigt sind.
Spät erkannte Koliken und schwere Verläufe haben grundsätzlich eine schlechtere Prognose.
Muss ein Pferd aufgrund einer schweren Kolik operiert werden, bestehen nach der Operation und einer mehrwöchigen Regenerationsphase in vielen Fällen gute Aussichten auf ein Weiterleben wie vor dem Eingriff. Auch eine spätere reiterliche Nutzung ist grundsätzlich möglich.
Bei Verdacht auf eine Kolik sofort handeln
Warten Sie bei möglichen Koliksymptomen nicht ab. Bleiben Sie ruhig, achten Sie auf Ihre Sicherheit und verständigen Sie unverzüglich eine Tierärztin oder einen Tierarzt.
Wir sind für Sie da.
