Magengeschwüre kommen bei Pferden häufiger vor, als viele Besitzer vermuten. Je nach Rasse, Haltung und Nutzung sind Freizeit-, Turnier- und Rennpferde unterschiedlich stark betroffen.
Die Beschwerden können sehr vielfältig sein und bleiben teilweise lange unauffällig. Bei einem entsprechenden Verdacht sollte deshalb unverzüglich eine Tierärztin oder ein Tierarzt hinzugezogen werden.
Was ist ein Magengeschwür beim Pferd?
Ein Magengeschwür ist eine Wunde in der Magenschleimhaut.
Die Schleimhaut des Pferdemagens besteht aus einem drüsenlosen und einem drüsenhaltigen Bereich. In beiden Abschnitten können Wunden entstehen.
Magengeschwüre können Pferde jeden Alters betreffen. Überdurchschnittlich häufig treten sie bei Sportpferden auf.
Zur Einordnung des Schweregrades werden Magengeschwüre von Grad 0 als geringster Stufe bis Grad 4 mit sehr starken Auswirkungen eingeteilt.
Warum sind Pferde häufig von Magengeschwüren betroffen?
Der Pferdemagen produziert unabhängig von seinem Füllungszustand den gesamten Tag über Magensäure.
Diese wird für die Verdauung benötigt. Bleibt der Magen jedoch aufgrund einer längeren Fresspause leer, ist die Magensäure stärker konzentriert und kann die Schleimhaut angreifen.
Solche Reizungen können die Entstehung von Magengeschwüren begünstigen.
Welche Symptome können auf ein Magengeschwür hindeuten?
Die Anzeichen eines Magengeschwürs sind nicht immer eindeutig.
Folgende Symptome können auf Magenprobleme oder Magengeschwüre hinweisen:
- wiederkehrende Koliken,
- Inappetenz,
- Apathie,
- Leistungsschwäche,
- Gewichtsabnahme,
- Zahnprobleme,
- möglicher Maulgeruch,
- Zähneknirschen,
- Aufstoßen,
- Rittigkeitsprobleme.
Treten einzelne oder mehrere dieser Auffälligkeiten auf, sollte das Pferd tierärztlich untersucht werden.
Welche Rolle spielt Stress?
Stress kann die Entstehung von Magengeschwüren begünstigen.
Wie stark ein Pferd auf bestimmte Situationen reagiert, ist individuell verschieden. Bereits kleinere Veränderungen können bei empfindlichen Pferden Stress auslösen.
Dazu gehören beispielsweise:
- eine neue Box,
- ein neues Mitglied in der Herde,
- wechselnde Reiter.
Durch Stress steigt der Cortisolspiegel im Blut. Das Cortisol schwächt die Abwehr der Magenschleimhaut und macht sie anfälliger für die Magensäure.
Dadurch können Reizungen und Wunden entstehen.
Wie beeinflusst die Fütterung den Pferdemagen?
Auch die Fütterung kann eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Magengeschwüren spielen.
Der Pferdemagen ist an Raufutter als wesentliche Nahrungsquelle angepasst. Dieses sollte deshalb den größten Anteil der täglichen Fütterung ausmachen.
Sowohl zu große Futtermengen als auch zu lange Fresspausen können den Magen belasten.
Pferde sollten aufgrund der fortlaufenden Produktion von Magensäure nicht länger als vier Stunden ohne Futter bleiben. Andernfalls kann die Magensäure die Schleimhäute stärker angreifen.
Welche Bedeutung hat die Haltung?
Auch die Haltungsbedingungen können Stress verursachen.
Mögliche Belastungsfaktoren sind:
- Einzelhaltung,
- fehlender Sozialkontakt,
- zu kleine Boxen,
- zu wenig freie Bewegung,
- Unruhe innerhalb der Herde,
- Auseinandersetzungen oder Rangkämpfe.
Nicht jede Haltungsform ist für jedes Pferd gleichermaßen geeignet.
Sowohl eine reine Boxenhaltung als auch eine Herdenhaltung können für einzelne Pferde belastend sein. Entscheidend ist, die Bedingungen so gut wie möglich an die Bedürfnisse des jeweiligen Pferdes anzupassen.
Kann Training Magengeschwüre begünstigen?
Magenschleimhautentzündungen und Magengeschwüre treten besonders häufig bei Turnier- und Rennpferden auf.
Das Training kann für das Pferd eine körperliche und psychische Belastung darstellen.
Durch Anstrengung und ein länger anhaltendes hohes Tempo kann sich die Magensäure stärker im Magen bewegen. Dadurch können weitere Bereiche der Magenschleimhaut gereizt werden.
Welche Medikamente können den Magen belasten?
Bestimmte Medikamente können an der Entstehung von Magengeschwüren beteiligt sein.
Dies gilt insbesondere für Schmerzmittel, vor allem bei längerer Anwendung.
Da Schmerzmittel die Magenschleimhaut zusätzlich reizen können, sollten sie nicht ohne Rücksprache mit einer Tierärztin oder einem Tierarzt verabreicht werden.
Bei länger andauernden Behandlungen sollte auch ein möglicher Magenschutz berücksichtigt werden.
Besonders Phenylbutazon kann bei unsachgemäßer Anwendung oder bei empfindlichen Pferden zu Magenproblemen beitragen.
Wie werden Magengeschwüre beim Pferd diagnostiziert?
Magengeschwüre werden teilweise zunächst als Verdachtsdiagnose behandelt.
Nach einer ausführlichen Anamnese kann dem Pferd ein Medikament gegen Magengeschwüre verabreicht werden. Anschließend wird beobachtet, ob sich die Beschwerden bessern.
Tritt eine Verbesserung ein, kann dies auf Magengeschwüre hindeuten.
Eine gesicherte Diagnose ist jedoch nur mithilfe einer Gastroskopie möglich.
Dabei wird ein Schlauch mit einer kleinen Kamera durch die Nase und den Rachen bis in den Magen vorgeschoben. So kann die Magenschleimhaut direkt beurteilt werden.
Wie werden Magengeschwüre behandelt?
Magengeschwüre sollten aufgrund der Schmerzen und der Beeinträchtigung des Allgemeinbefindens behandelt werden.
Zur Therapie kann ein Protonenpumpenhemmer eingesetzt werden. Dieser reduziert die Ausschüttung von Magensäure und ermöglicht es der Entzündung beziehungsweise den Geschwüren, abzuheilen.
Die Behandlung kann längere Zeit in Anspruch nehmen. Nach einer guten Diagnostik und mit einer passenden Auswahl der Medikamente ist sie jedoch häufig erfolgreich.
Zusätzlich ist es wichtig, die auslösende Ursache zu erkennen und nach Möglichkeit zu beseitigen. Andernfalls können die Beschwerden erneut auftreten.
Wie lassen sich Magengeschwüre vorbeugen?
Zur Vorbeugung können verschiedene Maßnahmen beitragen:
- Fütterungspausen von mehr als vier Stunden vermeiden,
- Raufutter regelmäßig anbieten,
- Kraftfutter auf mehrere Portionen am Tag verteilen,
- möglichst zuerst Raufutter und anschließend Kraftfutter füttern,
- Stress reduzieren,
- Medikamentengaben überprüfen und gegebenenfalls anpassen,
- das Training an das Pferd anpassen,
- Sattel und weiteres Equipment auf ihre Passform kontrollieren,
- den Zahnstatus mindestens einmal jährlich überprüfen.
Ein gestörtes Kauverhalten kann den Speichelfluss beeinflussen. Der Speichel ist wichtig, um die Magensäure zu neutralisieren.
Magenprobleme beim Pferd ernst nehmen
Wiederkehrende Koliken, Gewichtsverlust, Leistungsschwäche, Appetitprobleme oder Rittigkeitsveränderungen sollten aufmerksam beobachtet und tierärztlich abgeklärt werden.
Eine sichere Diagnose ist nur durch eine Gastroskopie möglich.
Wir sind für Sie da.
