Viele Pferdehalter kennen diese Situation: Das Pferd verbringt einen schönen Tag auf der Weide und kommt plötzlich lahm oder mit einer sichtbaren Verletzung zurück in den Stall.

Pferde können sich im Stall, auf der Weide, im Umgang mit Artgenossen oder während des Trainings verletzen. Besonders häufig sind die empfindlichen Gliedmaßen betroffen.

In einer solchen Situation hilft ein klarer Ablauf, um die Verletzung richtig einzuschätzen und angemessen zu handeln.

Kleine Verletzung – große Auswirkung?

Die Größe einer Wunde sagt nicht immer etwas über ihre tatsächliche Schwere aus.

Eine kleine, tiefe Verletzung in der Nähe eines Gelenks kann deutlich schwerwiegender sein als eine große, oberflächliche Hautwunde.

Verletzungen im Bereich von Gelenken sollten deshalb besonders ernst genommen werden. Hier besteht die Gefahr schwerer Infektionen, die im schlimmsten Fall lebensbedrohlich verlaufen können.

Wie können Verletzungen beim Pferd entstehen?

Verletzungen können unterschiedliche Ursachen haben.

Dazu gehören:

  • Gegenstände oder andere Gefahrenquellen im Stall oder auf der Weide,
  • Trittverletzungen durch andere Pferde,
  • Bissverletzungen,
  • Unfälle bei freier Bewegung,
  • Verletzungen während des Trainings.

Am häufigsten sind die Gliedmaßen des Pferdes betroffen.

Wie beurteilen Sie eine Verletzung?

Bevor weitere Maßnahmen erfolgen, sollten Sie die Verletzung möglichst ruhig und sorgfältig betrachten.

Folgende Fragen helfen bei der ersten Einschätzung:

  • Wo befindet sich die Verletzung?
  • Wie tief ist die Wunde?
  • Ist Knochen sichtbar?
  • Befinden sich ein Gelenk, eine Sehnenscheide oder ein Schleimbeutel in der Nähe?
  • Liegt eine Blutung vor?
  • Wie stark ist die Blutung?
  • Wann wurde die Verletzung bemerkt?
  • Wie alt könnte die Wunde sein?

Die Antworten auf diese Fragen können auch für das erste telefonische Gespräch mit der Tierärztin oder dem Tierarzt wichtig sein.

Wie leisten Sie Erste Hilfe?

Das Wichtigste ist zunächst: Bewahren Sie Ruhe.

Nur mit einem klaren Kopf können Sie die Situation richtig einschätzen und Ihrem Pferd helfen.

Was ist bei einer starken Blutung zu tun?

Bei einer starken Blutung sollte unverzüglich eine Tierärztin oder ein Tierarzt verständigt werden.

Bereits am Telefon kann besprochen werden, welche Maßnahmen bis zum Eintreffen sinnvoll sind. Dazu kann beispielsweise das Anlegen eines Druckverbandes gehören.

Die Blutung sollte abhängig vom Ausmaß der Verletzung zuerst versorgt werden.

Was gilt bei Verletzungen in Gelenknähe?

Besteht Unsicherheit darüber, ob ein Gelenk, eine Sehnenscheide oder ein Schleimbeutel betroffen sein könnte, sollte immer tierärztlicher Rat eingeholt werden.

Dabei spielt die sichtbare Größe der Wunde keine entscheidende Rolle.

Ist eine dieser Strukturen betroffen, müssen die Wunde und der betroffene Bereich gespült werden, um Bakterien zu entfernen.

Wie sollte eine Wunde zunächst versorgt werden?

Bei jeder Verletzung ist es wichtig, eine Wundinfektion möglichst zu verhindern.

Die Wunde sollte deshalb gereinigt und abgedeckt werden.

Verwenden Sie vor der tierärztlichen Untersuchung keine Salben oder Sprays direkt auf der Wunde. Diese können den späteren Eindruck verändern und die weitere Behandlung erschweren.

Warum sollten Schmerzmittel nicht eigenständig gegeben werden?

Auch Schmerzmittel sollten bei einer Verletzung nicht ohne tierärztliche Rücksprache verabreicht werden.

Hat das Pferd vor der Medikamentengabe eine Lahmheit gezeigt, kann diese durch die schmerzlindernde Wirkung vorübergehend nicht mehr sichtbar sein.

Dadurch kann eine spätere Lahmheitsuntersuchung erschwert oder nicht mehr sinnvoll durchgeführt werden.

Was gehört in eine Stallapotheke?

Für die erste Versorgung einer Verletzung sollte eine gut ausgestattete Stallapotheke vorhanden sein.

Dazu gehören:

  • Tupfer,
  • Watterollen,
  • selbstklebende Bandagen.

Diese Materialien können für einen ersten Verband, einen Druckverband oder zum Abdecken der Wunde verwendet werden.

Wundverbände sollten niemals zu fest angelegt werden, da sonst die Durchblutung beeinträchtigt werden kann.

Eine ausreichende Polsterung ist ebenfalls wichtig.

Warum sollte jede Verletzung tierärztlich abgeklärt werden?

Die Haut bildet im unverletzten Zustand eine wichtige Schutzbarriere gegen Krankheitserreger.

Wird diese Barriere durchtrennt, können Bakterien in den Körper eindringen. Bereits eine kleine Eintrittsstelle kann zu einer Infektion mit weitreichenden Folgen führen.

Pferde reagieren bei Verletzungen besonders empfindlich auf Keime. Deshalb sollte jede Verletzung tiermedizinisch untersucht werden.

So kann außerdem beurteilt werden, welche medikamentöse Versorgung erforderlich ist.

In manchen Fällen kann der Einsatz von Antibiotika sinnvoll sein, um einer Infektion vorzubeugen oder eine bereits bestehende Infektion zu behandeln.

Wann kann eine Wunde genäht werden?

Ist eine Wunde frisch, kann sie bei Bedarf chirurgisch versorgt und genäht werden.

Ein Wundverschluss kann den Heilungsprozess unterstützen und beschleunigen.

Ist die Verletzung bereits älter und ein Nähen nicht mehr möglich, muss sich die Wunde meist von innen heraus verschließen.

Dieser Vorgang wird als sekundäre Wundheilung bezeichnet.

Wann ist eine Versorgung im OP notwendig?

In einigen Fällen ist eine umfangreichere Behandlung auf dem Operationstisch erforderlich.

Dies kann insbesondere bei Verletzungen in der Nähe von Gelenken notwendig sein, um eine Gelenkinfektion zu verhindern.

Wie lange dauert die Wundheilung beim Pferd?

Die Heilung einer Wunde benötigt Zeit.

Wird das Pferd zu früh wieder frei bewegt oder trainiert, können Wundheilungsstörungen entstehen.

Auch eine sogenannte Wunddehiszenz ist möglich. Dabei weichen die Wundränder erneut auseinander und der Heilungsprozess beginnt von vorn.

Nach einem chirurgischen Wundverschluss sollte deshalb die angeordnete Boxenruhe eingehalten werden.

Freie Bewegung oder Training sollten erst nach tierärztlicher Rücksprache wieder aufgenommen werden.

Verletzungen frühzeitig untersuchen lassen

Auch kleine Wunden können schwerwiegende Auswirkungen haben.

Achten Sie auf die Lage, Tiefe und mögliche Nähe zu Gelenken, Sehnenscheiden oder Schleimbeuteln. Bei starken Blutungen, Unsicherheit oder Verletzungen in diesen Bereichen sollte unverzüglich tierärztliche Hilfe angefordert werden.

Wir sind für Sie da.