Hengst kastrieren: im Stall oder im OP?
Die Kastration gehört zu den am häufigsten durchgeführten Operationen in der Pferdemedizin. Sie kann sowohl ambulant im heimischen Stall als auch unter klinischen Bedingungen erfolgen.
Welche Methode für einen Hengst infrage kommt, sollte individuell beurteilt werden. Dabei spielen unter anderem das Alter des Pferdes, seine Entwicklung, das Verhalten, die Haltungsbedingungen und die gewünschte Nachsorge eine Rolle.
Wann sollte ein Hengst kastriert werden?
Hengste werden in der Regel im Alter von etwa zwölf bis achtzehn Monaten geschlechtsreif. Ab diesem Zeitpunkt können sich je nach Pferd, Aufzucht und Umgang erste hengsttypische Verhaltensweisen zeigen.
Mögliche Schwierigkeiten können innerhalb der Herde oder im Kontakt mit Menschen auftreten. Wie stark diese Verhaltensweisen ausgeprägt sind, unterscheidet sich von Pferd zu Pferd und sollte daher immer individuell beurteilt werden.
Junge Hengste, die nicht für die Zucht vorgesehen sind, können im Alter von zwei bis vier Jahren kastriert werden. In diesem Alter haben sich unerwünschte Verhaltensweisen häufig noch nicht vollständig gefestigt. Dadurch kann auch die weitere Ausbildung ruhiger beginnen.
Grundsätzlich ist eine Kastration auch bei älteren Hengsten möglich. In diesem Fall sollten mögliche Risiken und die notwendige Nachsorge besonders sorgfältig besprochen werden.
Warum kann eine Kastration sinnvoll sein?
Wallache sind im täglichen Umgang und im Reitsport häufig leichter zu handhaben.
Auch die Haltung innerhalb einer Herde kann bei Hengsten erschwert sein. In vielen Fällen bleiben ihnen regelmäßige Sozialkontakte mit anderen Pferden verwehrt. Dies kann zu einer Haltung führen, die den natürlichen Bedürfnissen des Pferdes nur eingeschränkt entspricht.
Diese Aspekte sollten Pferdehalter bei der Entscheidung für oder gegen eine Kastration berücksichtigen.
Welche Kastrationsmethode ist für mein Pferd geeignet?
Eine Kastration kann ambulant am Stall oder unter klinischen Bedingungen durchgeführt werden. Die verschiedenen Methoden unterscheiden sich insbesondere durch das Operationsumfeld, den Wundverschluss und die Anforderungen an die Nachsorge.
Welche Variante für das jeweilige Pferd geeignet ist, sollte individuell entschieden werden.
Ambulante Kastration am Stall
Bei jungen Hengsten kann die Kastration im gewohnten Umfeld eine schnelle und unkomplizierte Möglichkeit sein.
Für die ambulante Operation wird der Hengst in eine kurze Vollnarkose versetzt. Anschließend wird er in einer Box, auf einer Wiese oder auf einem geeigneten Untergrund wie einer Halle oder einem Reitplatz abgelegt.
Die Hodensäcke werden eröffnet und die Hoden abgeklemmt und entfernt.
Da das Umfeld außerhalb eines Operationsbereichs nicht steril ist, wird hierbei die offene Operationsmethode angewendet. Die Wunde wird nach dem Eingriff nicht verschlossen, damit Sekret und Keime abfließen können.
Diese Methode ist in der Pferdemedizin verbreitet sowie zeit- und kostensparend. Sie erfordert jedoch eine sorgfältige Nachsorge, um Infektionen möglichst zu vermeiden.
Kastration im Stehen
Die Kastration im Stehen wird teilweise noch durchgeführt.
Diese Methode wird aufgrund der möglichen Komplikationen und langfristigen Folgen nicht empfohlen.
Zu den möglichen Folgen zählen:
- Narbenbildung,
- Fistelbildung,
- nicht vollständig entferntes Hodengewebe,
- weitere anhaltende Beschwerden.
Das Risiko möglicher Komplikationen sollte bei der Wahl der Operationsmethode berücksichtigt werden.
Welche Möglichkeiten gibt es in der Praxis / Klinik?
Neben der ambulanten Kastration am Stall stehen zwei weitere Methoden unter klinischen Bedingungen zur Verfügung.
Aus medizinischen Gründen werden diese Varianten bevorzugt.
Sterile Kastration in Vollnarkose
Als bevorzugte Methode gilt die sterile Kastration in Vollnarkose auf dem OP-Tisch.
Das Pferd wird dafür im Operationsbereich steril vorbereitet. Anschließend wird die Kastration durchgeführt, die Gefäße werden versorgt und die Wunde vollständig verschlossen.
Der geschlossene Wundverschluss soll verhindern, dass nach dem Eingriff Keime in die Operationswunde eindringen. Das verwendete Nahtmaterial löst sich selbst auf und muss nicht entfernt werden.
Bei dieser Methode können die Pferde meist bereits wenige Tage nach dem Eingriff wieder geritten werden. Schwellungen und Infektionen treten nur selten auf.
Offene Kastration unter klinischen Bedingungen
Eine weitere Möglichkeit ist die offene Kastration in einer gepolsterten und sehr sauberen Aufwachbox.
Das Pferd wird hierfür in eine Kurznarkose versetzt. Anschließend erfolgt die Operation wie bei der ambulanten Kastration am Stall. Die Wunde wird nicht verschlossen.
Das Infektionsrisiko ist unter diesen Bedingungen geringer als im Stall oder auf der Weide. Gleichzeitig kann während der Operation auf mögliche Besonderheiten schneller reagiert werden als bei einem ambulanten Eingriff.
Was ist nach der Kastration zu beachten?
Nach einer Kastration ist eine sorgfältige Nachsorge wichtig.
Das Pferd sollte ausreichend, aber nur leicht bewegt werden. Dies kann dazu beitragen, Wundschwellungen zu vermeiden.
In den Tagen nach dem Eingriff sollten Sie außerdem:
- die Körpertemperatur des Pferdes kontrollieren,
- auf Veränderungen im Verhalten achten,
- Auffälligkeiten frühzeitig erkennen,
- die Hinweise zur Nachsorge genau beachten.
Die notwendige Nachsorge hängt von der gewählten Operationsmethode und dem Verlauf des Eingriffs ab.
Welche Kastrationsmethode passt zu Ihrem Pferd?
Ob die Kastration am Stall oder unter klinischen Bedingungen durchgeführt wird, sollte individuell entschieden werden.
Vor dem Eingriff sollten die möglichen Methoden, Risiken und Anforderungen an die Nachsorge ausführlich besprochen werden.
Auch nach der Kastration stehen wir Ihnen bei Fragen zur Verfügung.
Wir sind für Sie da.
